Eugen Drewermann (Teil 1)


“Die Hauptmacht der Kirche war ihre Kontrolle über die Schuldgefühle, dies gelingt nicht mehr.” (E. Drewermann)

Eugen Drewermann (* 20. Juni 1940 in Bergkamen) ist ein katholischer Theologe, suspendierter Priester, Psychoanalytiker und Schriftsteller. Er ist ein wichtiger Vertreter der tiefenpsychologischen Exegese und als kirchenkritischer Publizist regelmäßig in den Medien präsent.” (Wikipedia)

Ich hatte mit 17 Jahren erstmals von Drewermann gehört. Er war damals wegen seines Suspensionsverfahrens der kath. Kirche gegen ihn sehr oft in den Medien vertreten. Damals zum Geburtstag wünschte ich mir sein Buch “Kleriker – Psychogramm eines Ideals”.

Ich war damals streng katholisch und dachte, diesen “Ketzer” werde ich schon “widerlegen”. Doch dieses Vorhaben ging ziemlich in die Hose, da ich wie gefesselt die 900 Seiten dieses Werkes verschlang, meine damaligen ideologischen Blockaden immer mehr abstreifte und Drewermann Recht geben musste. Mehr noch, es war für mich ein Befreiungsschlag, dieses therapeutische Werk von Drewermann zu lesen, fand ich mich doch auf vielen Seiten seiner Analyse einer “Priesterpsyche” wider.


Das legendäre (und immer noch aktuelle) Spiegelinterview mit Drewermann 1991

Ich verfolge seitdem das katholische “Schicksal” dieses genialen Menschen. Sein ‘Rausschmiss’ (Drewermann wurde erst seine Venia Legendi zum Dozieren an der Universität Paderborn entzogen und dann letztlich vom Priesteramt suspendiert, er selber trat 2005 aus der Kirche aus) aus der kath. Kirche (auf Betreiben vom damaligen Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt) erfolgte, soweit ich mich erinnern kann, nach der Veröffentlichung des Klerikerbuch dann v.a. auch wegen eines legendären Interviews Drewermanns in “Der Spiegel”. Im folgenden kirchlich-lehramtlichen Verfahren gegen Drewermann ging es als “Ketzerbegründung” unglaublicherweise v.a darum, ob Drewermann an die biologische Jungfräulichkeit Mariens (das Dogma lautet: “vor, während und nach der Geburt Junfrau…”) glaubt, was Drewermann natürlich im wörtlichen Sinne ablehnte. Drewermann lag es jedoch fern alles ‘Glaubensgut’ für nichtig zu erklären, und mit der wissenschaftlischen Welt als unvereinbar zu diffamieren (so geschehen z.B. bei: Uta-Ranke Heinemann: “Nein und Amen. Anleitung zum Glaubenszweifel”).
Er wollte vielmehr in einer therapeutischen, tiefenpsychologischen Sicht z.B. die Dogmen als heilende Erfahrungen interpretieren, als traumnahe, dichterische BILDER, die in Anlehnung an C.G. Jung, Menschen aller Kulturen zu eigen sind, und sich heilend auf die Psyche und persönlichen Reife auswirken können (Drewermann ist ja auch als tiefenpsychologischer Märcheninterpret bekannt). Ein plattes wörtlich Nehmen, lehnt er natürlich, wie die meisten wissenschaftlichen Theologen, als Verführung zum magischen Denken und Aberglauben ab.



intensive Diskussion zwischen Eugen Drewermann und Bischof Walter Kasper (heute Kardinal) 1992

Sehr tiefgehende Diskussion zwischen E. Drewermann und Hanna-Renate Laurien (ZdK) am Katholikentag 1991


Eugen Drewermann: Jesus von Nazareth und die Botschaft des Friedens

Eugen Drewermann hat wohl die Botschaft des Nazareners jenseits kirchlichen Dogmatismus und der daraus resultierenden Engstirnigkeit wirklich verstanden. Jedenfalls vermittelt er einen ganz anderen Jesus, als man es landläufig gewohnt ist. Erwähnenswert ist auch, dass Drewermann lebt, was er verkündet. Er ist z.B. anspruchslos, Vegetarier (der grausame Umgang mit den Tieren in unserer Gesellschaft kommt nicht zuletzt durch das jüdisch-christliche Menschenbild als ‘Krone der Schöpfung’, die sich die ‘Erde untertan machen soll’) und absoluter Pazifist. Für seine Therapiestunden verlangt er kein Geld, soweit ich weiß.

Neuere Bücher von Drewermann befassen sich oft gar nicht mehr mit der Enge des kirchlichen Dogmatismus, auch nicht nur mit christlichen Glaubensinhalten, sondern sind meines Ermessens nach evolutiv-anthropologisch-biologisch-neurologisch-soziologisch-psychologisch-philosophische Wissenschaftwerke auf der Suche nach dem Großen, das wir so ‘durchgearbeitet’ auch ‘Gott’ nennen können.
Mehr dazu unter: Eugen Drewermann Teil2.
Es ist beim Folgen seiner Texte verblüffend, wie er komplizierte Zusammenhänge einfach übersetzen kann, wie er Brücken schlägt zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Eugen Drewermann ist vielleicht ein Mensch, den man früher als einen Universalgelehrten bezeichnet hätte.